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Brigitte Karhoff, u.a. Stadtplanerin, Geschäftsführerin WohnBund-Beratung NRW GmbH und Vorstand der Ko-Operativ eG NRW.

Wir trafen uns am 16. Oktober 2017 in Bochum zum Interview.

 

 
 
Brigitte Karhoff

Ich würde Sie gern zu Ihrem Arbeitsbereich hier bei der WohnBund-Beratung NRW fragen.
Ich bin Stadtplanerin, arbeite schon seit 1996 hier bei der WohnBund- Beratung NRW und bin in diesen Jahren überwiegend im Bereich der integrierten Stadtteilentwicklung unterwegs. Das heißt, ich kümmere mich um Stadtteile, die einerseits baulich verbessert werden sollen, aber immer auch eine Bevölkerungsstruktur haben, die so vielfältig und vom Einkommen so unterschiedlich ist, dass wir parallel zu baulichen Prozessen auch gucken, wie nehmen wir die Menschen mit bei dem, was in ihrem Stadtteil passieren soll. Wir schauen, was gefördert werden kann über bestimmte Programme, und auch was gibt es für eigene Ideen aus der Bevölkerung heraus für ihren eigenen Stadtteil.

Wer ist in dem Zusammenhang „wir“?
Damit meine ich wir als WohnBund-Beratung, die in der Regel von Kommunen beauftragt sind, um als Stadtteil-Management in Stadtteilen tätig zu werden. Oder der Auftrag lautet, erstmal ein Konzept zu stricken, was soll in einem Stadtteil überhaupt passieren, was hat der Stadtteil nötig, welchen baulichen Verbesserungsbedarf gibt es, was gibt es aber auch für soziale Stärken im Quartier, wo gibt es Anknüpfungspunkte, um ein Quartier ganzheitlich, das heißt sowohl baulich als auch ökologisch als auch mit den Menschen gemeinsam voranzubringen und damit auch lebenswert zu machen und auch als Arbeitsort zu entwickeln für Menschen, die dort wohnen und arbeiten. Und da stoßen wir natürlich unter anderem auch auf das Thema Nachbarschaftlich Wohnen.
Ich selber bin neben meinem Beruf auch schon immer engagiert und initiativ tätig im Bereich Vernetzung von Initiativen, die sich für eine gerechtere und lebenswerte Region oder einen Stadtteil oder auch ein Quartier engagieren. Ich habe in einer Doppelrolle einerseits als Mitarbeiterin der WohnBund-Beratung NRW, andererseits auch als Bewohnerin einer Arbeitersiedlung, die von Abriss bedroht war, die Initiative mit anderen ergriffen, um den Abriss zu verhindern. Und das haben wir getan, indem wir eine Genossenschaft gegründet haben und mit 250 Personen 68 Wohneinheiten in einer Denkmal geschützten Arbeitersiedlung angekauft haben.

Wann war das?
Das war 1998.

Und wo war das?
Das war in Oberhausen. Da hatten wir aber auch Rückenwind von der damaligen Internationalen Bauausstellung Emscherpark, die als regionales Strukturprogramm in der Emscherregion realisiert wurde und ebenso auch von Politik und anderen engagierten Menschen in Oberhausen, die haben mit dafür gekämpft, dass der Erhalt dieser Siedlung gelingen konnte.

War das Ihre erste persönliche Erfahrung mit Genossenschaft, damals Ende der 90er Jahre?
Ich war schon länger mit Projekten und Initiativen und damit auch neuen Trägermodellen befasst, die mehr Selbstverantwortung und Eigeninitiative in Stadtteilprojekten ermöglichen. Ich habe während meines Studiums in den 80er Jahren in Berlin bei der behutsamen Stadterneuerung der Internationalen Bauausstellung (IBA „Alt“) dort mitgearbeitet. Da gab es viele besetzte Häuser, und es ging schon darum, wie kann man die Lebenswelt dieser Menschen, die Häuser angesichts der Wohnungsnot besetzt haben und damit darauf aufmerksam machen wollen, wie kann man da neue Trägermodelle realisieren, und die selbstorganisierte Wohn- und Lebensform jenseits klassischer Verwertungsinteressen im Immobilienbereich unterstützen und tragfähig machen und langfristig auch erhalten.

Waren Sie selbst auch Hausbesetzerin?
Ja, ich habe während meines Studiums bei einer Hausbesetzung in Dortmund mitgemacht. Als wir studiert haben, war die Wohnungsnot riesig, und als Raumplanungs-Studentin und politisch Engagierte war ich dann schnell in einer Szene, die sich um das Thema Wohnungsnot gekümmert hat. Es ergab sich dann die Situation, dass eine IG-Metall Tagungsstätte abgerissen werden sollte, weil sie angeblich nicht mehr den Standards der Besucher entsprach und man nur noch Einbettzimmer haben wollte - da waren aber lauter Zweibettzimmer. Das fanden wir damals total sinnlos, dass dieses tolle Gebäude abgerissen werden sollte. Man kann auch bei Seminarangeboten in Zweibettzimmern, glaube ich, gut klar kommen. Naja, jedenfalls sollte es abgerissen werden, und ist es dann auch. Aber in der Zeit, in der wir es besetzt hatten, konnten wir mit vielfältigen Aktionen auf die Wohnungsnot aufmerksam machen.

 


Kann man nicht von den Erfahrungen der Projekte, die schon realisiert wurden, profitieren und es für andere Menschen leichter machen, ein ähnlich tolles Projekt auf den Weg zu bringen?

 

Das Interview in voller Länge finden Sie im Buch :
Ab ins Wohnprojekt! Wohnträume werden Wirklichkeit
   
 
   

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