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Christine Müthrath, Beginenhof Köln eG.

Unser Gespräch führten wir am 11. April 2015 im Beginenhof in Köln-Widdersdorf. Im März 2018 haben wir es aktualisiert.

 

 
 
Christine Müthrath

Mich interessiert, wie alles angefangen hat. Kannst du dich erinnern, wann für dich gemeinschaftliches Wohnen zum ersten Mal ein Thema wurde?
Ja, das kann ich ganz genau. Das war 2008, als die Bankenkrise war. Da habe ich Angst bekommen und zum ersten Mal gemerkt, dass da unter Umständen etwas ganz Bedrohliches auf uns zukommt. Da wusste ich, dass ich mich darum kümmern will, wo ich im Alter sein kann. Und dann bin ich zusammen mit meiner Lebensgefährtin losgezogen, und wir haben uns verschiedene Wohnprojekte angeguckt. Und irgendwann sind wir durch eine Bekannte zu den Beginen gekommen, die damals schon länger mit dem Thema Wohnprojekt beschäftigt waren, was aber aus verschiedenen Gründen nicht weiterging. Und da das nicht weiterging, waren viele auch schon ausgestiegen, und es gab nur noch eine Handvoll Frauen, als wir dazukamen. Kurz nachdem wir dabei waren, kam dann das Angebot dieses Grundstücks hier in Widdersdorf.

Das heißt, ihr musstet kein Grundstück suchen, sondern es ist auf euch zugekommen?
Ja, genau. Die Firma, die das ganze Neubaugebiet hier in Widdersdorf entwickelt hat, hatte einen Beginenhof auf dem Plan.

Habt ihr nicht gezögert? Widdersdorf liegt doch ziemlich weit draußen.
Ja sicher. Und einige sind auch nicht mitgekommen, weil sie es hier viel zu karg fanden, eben ein Neubaugebiet. Auf jeden Fall hatten wir dieses Grundstück, und dann ging es los. Anfang 2009 kam die Projektleiterin Lisa Hugger, die uns während der ganzen Planungs- und Bauzeit begleitet hat. Zuerst haben wir einen Workshop gemacht und all unsere Phantasien rausgelassen und sind den Fragen nachgegangen: Wie wollen wir zusammen leben und wie wollen wir zusammen wohnen?

Wie seid ihr zu der Projektleiterin gekommen?
Sie wurde uns von einer Begine empfohlen, die Lisa Hugger irgendwo erlebt hatte und uns sagte, die müssten wir mal holen, die ist sehr kompetent; und so haben wir es gemacht. Nach diesem Anfang kamen dann wieder einige Beginen zurück, die in der früheren Phase dabei gewesen waren, und so ging es weiter, auch dank der Begeisterungsfähigkeit und Kompetenz von Lisa Hugger.

Wie wichtig war sie für das Gelingen des Beginenhofs, was würdest du sagen?
Ohne sie hätten wir es nicht geschafft, glaube ich. Die meisten von uns kommen aus dem psychosozialen Bereich. Wir kannten uns doch gar nicht aus auf all den Gebieten, die so ein Projekt ausmachen. Lisa Hugger hat alle notwendigen Verhandlungen geführt, mit allen Firmen. Wir waren zwar immer dabei und haben nach und nach mehr verstanden und übernommen, aber ohne sie wäre es nicht gegangen.

Wie habt ihr Frau Hugger finanziert?
Im ersten Jahr über das Land NRW. Da sind wir als innovatives Wohnprojekt anerkannt worden. Danach war ihr Honorar in den Baunebenkosten enthalten.

Würdest du sagen, dass alle, die so ein Wohnprojekt planen, den Kostenfaktor für eine Projektbegleitung nicht scheuen sollten?
Auf jeden Fall. Es kommt natürlich drauf an. Wenn es eine Gruppe gibt mit Menschen, die etwas vom Bauen verstehen und die geschult sind... aber allgemeine Fähigkeiten allein reichen nicht, man braucht mehr, man braucht Menschen, die Kompetenzen diesbezüglich mitbringen. Projekte des sogenannten „Anderen Wohnens“ sind ein neuer, umfassender Kompetenzbereich. So ein Projekt erträgt es nicht, dass erst noch lange Kompetenzen entwickelt werden, die müssen schon da sein, glaube ich. Wir haben auch viel gelernt, aber es braucht jemanden, zumindest in der Anfangsphase, der vernetzt ist und Verhandlungstechniken zur Verfügung hat und auch immer wieder die Gruppe motivieren kann. Denn es gab auch immer mal wieder Durststrecken. Ich finde professionelle Projektbegleitung sehr wichtig.

 


Genossenschaft Ja oder Nein. Trauen wir uns das zu? Das war die wichtige Frage.


Das Interview in voller Länge finden Sie im Buch :
Ab ins Wohnprojekt! Wohnträume werden Wirklichkeit
   
   
 
   

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