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Frank Nitzsche, Vorstand Möckernkiez eG, Berlin

Zum Interview trafen wir uns am 29. März 2018 in Berlin.

 

 
 
Frank Nitsche

Um mich auf unser Gespräch vorzubereiten war ich auf der Internetseite der Möckernkiez Genossenschaft und habe im 1. Abschnitt der Satzung gelesen, dass seit der Gründung im Jahr 2010 bis 2017 die Satzung 6 mal geändert wurde. Was ist da passiert?
Die Satzung ist der Gesellschaftsvertrag einer Genossenschaft, und das ist ein ganz normaler Prozess, dass die angepasst worden ist. Beim letzten Mal haben wir die Satzung angepasst, weil wir eine Gruppe älterer Menschen hatten, die bei uns 2 Spezialwohnungen anmieten wollten, aber sie wollten das in Form einer Gesellschaft bürgerlichen Rechts machen, einer GbR. Das hat etwas damit zu tun, dass man in dem Alter Angst hat, dass der eine oder andere die Gruppe verlässt und dann unter Umständen der Mietvertrag hinfällig wäre. Und deshalb ist der Mietvertragspartner nicht der einzelne Gesellschafter, sondern die GbR. In unserer Satzung steht, dass man zwar als Stiftung Mitglied der Genossenschaft werden kann oder als GmbH, aber eine GbR war, aus welchen Gründen auch immer, ursprünglich nicht als Mitglied vorgesehen. Das war die letzte Änderung, die wir durchgeführt haben.
Davor hatten wir im Jahr 2015 eine Änderung diesbezüglich, dass der Vorstand der Genossenschaft nicht mehr von der Mitgliederversammlung gewählt wird, sondern vom Aufsichtsrat, so wie es gemeinhin üblich ist. Das hört sich zwar wie die Einschränkung der Basisdemokratie an, aber es gibt einfach einzelne Dinge, die nur ein kleiner Kreis und nicht ein großer beraten kann. Der Aufsichtsrat wird sich die Meinung der Mitglieder in einer Mitgliederversammlung anhören, aber die Entscheidung muss der Aufsichtsrat treffen.

War das schwierig, diese Änderung bezüglich der Frage, wer wählt den Vorstand, durchzubringen?
Über die Änderung der Statuten in der Satzung bestimmt ja immer die Mitgliederversammlung. Und das war schon eine größere Diskussion in der Mitgliederversammlung, weil das einzelne Mitglied sich natürlich in seinen Rechten und seinen Möglichkeiten der Einflussnahme beeinträchtigt fühlte. Aber Sie können nicht einen Arbeitsvertrag von einem Vorstand mit 1800 Leuten beraten. Das funktioniert nicht. Und wenn ein Vorstand nicht so läuft oder nicht so spurt wie die Gemeinschaft, der Aufsichtsrat und die Mitgliederversammlung, es sich vorstellt, dann ist es natürlich schwierig, erst eine Mitgliederversammlung einzuberufen, um diesen Vorstand abzuberufen. Ein Gremium aber, das von den Mitgliedern bestellt worden ist, das ist ja der Aufsichtsrat, kann im Interesse der Genossenschaft schnell handeln.

Ihre Argumentation verstehe ich. Aber die Bewegungs-Genossenschaften, die sich von unten gründen, die sehen das anders. Zumindest am Anfang. Und hier im Möckernkiez hat das doch wahrscheinlich 2010 auch anders angefangen...
... ja natürlich. Damals hatte die Genossenschaft auch nicht, so wie heute, 1850 Mitglieder, sondern einige hundert.

Waren Sie damals schon dabei?
Nein. Ich bin erst Ende 2014 dazugestoßen.

Gehören Sie zu denen, die das Projekt sozusagen gerettet haben?
Man sagt das so, ja.

Ich habe den Eindruck, es fällt Ihnen schwer, sich als Retter bezeichnen zu lassen.
Weiß ich nicht. Das müssen andere beurteilen. Sicherlich, ich verrate nicht zu viel, dass zu diesem Zeitpunkt, ich bin seit Anfang 2015 als Vorstand dabei, das Projekt kurz vor dem Aus gestanden hat. Und so wie es heute aussieht... das hat sicherlich auch etwas mit den handelnden Personen ab dem Jahr 2015 zu tun. Das heißt nicht, dass das, was davor gewesen ist, alles falsch war. Die Idee, aufzubauen und zu entwickeln... Mitglieder anzuwerben... als ich Ende 2014 hier dazugestoßen bin, hatte ich die Mitgliedsnummer 1600, das heißt also, vor mir gab es 1599 Mitglieder. Die kommen nicht von alleine, da muss man schon Werbung machen, da muss man von der Idee überzeugen, und das haben die Initiatoren, der 1. Vorstand, mit Sicherheit hervorragend gemacht.

 


Hier sind 5 verschiedene Architekten am Werk gewesen.


 

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