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Marion Volkmar, Vorstand der Genossenschaft in Gründung, Hof der Familie in Köln-Rondorf.

Zum Interview haben wir uns im Herbst 2017 in Köln-Rondorf getroffen. Im Januar 2018 haben wir den Interviewtext aktualisiert.

 

 
 
Marion Volkmar

Um mich auf dieses Gespräch vorzubereiten, habe ich mir eure Internetseite angeschaut. Die ist ja sehr informativ, finde ich.
Ja, sie zeigt, wie weit wir schon mit der Entwicklung des Projektes sind. Der Kollege, der die Internetseite erstellt hat, kommt aus dem Gewerbe. Er ist auch ein Rondorfer Bürger. Das Ganze ist ja entstanden aus dem „Haus der Familie", diesem Verein, den es seit gut 15 Jahren hier in Köln-Rondorf gibt.

Das wäre meine erste Frage gewesen, denn ich habe nicht gelesen, dass ihr vom Hof der Familie einen Verein gegründet habt.
Nein, den Verein gibt es ja, der heißt „Haus der Familie“, und unsere Genossenschaft heißt „Hof der Familie“. Auf der Webseite der Genossenschaft gibt es eine Verlinkung zur Vereinsseite. Der Verein hat sich vor ungefähr 15 Jahren gegründet. Es waren einige Rondorfer, die damals für ihre Kinder eine Übermittags-Betreuung benötigten. Und viele der Gründungsmitglieder des Vereins sind jetzt auch Gründungsmitglieder der Genossenschaft.

Hast du damals auch den Verein mit gegründet?
Mein Mann war zu der Zeit dabei. Damals wurde vom Verein zuerst ein Häuschen angemietet, danach eine Wohnung, in der heute eine Kita eingerichtet ist, die vom Verein organisiert wird. Und vor ca. 7 Jahren hat der Verein ein eigenes Haus in Rondorf bezogen. Das JuNa, das Jugend und Nachbarschaftshaus.

Das habt ihr mit dem Verein gebaut?
Nein, das Haus wurde in Zusammenarbeit mit dem Architekten des Vereins geplant und von der GAG (eine große städtische Kölner Immobilien AG) als Bauträger errichtet. Der Verein hat das Haus gemietet. Der Verein finanziert sich aus den Vereinsbeiträgen und aus den Vermietungen der Räume, die sich in dem Haus befinden. Es gibt da einen wunderbaren Saal, eine Küche und eine Theke. Im Haus finden verschiedene Aktivitäten statt. Nachmittags von 16 bis 21 Uhr ist das Haus für die Jugendlichen geöffnet. Dann gibt es im Haus noch verschiedene Sportveranstaltungen oder Mitsing-Konzerte.
Aus einem Jahresthema des Vereins „Unser Veedel“ und einem Vortrag des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes zum Thema „Wohnen im Alter im Veedel“ entstand die Idee: Mensch, das wäre doch toll, wenn wir hier im Alter zusammen wohnen könnten, beziehungsweise Jung und Alt, und ein MehrgenerationenWohnhaus in Rondorf errichten könnten.

Wann ist diese Idee aufgekommen?
Das war vor ungefähr 4 oder 5 Jahren. Und vor 3 Jahren haben wir gesagt: Lasst uns doch mal gucken, was für eine Rechtsform für uns interessant wäre. Und so sind wir auf die Genossenschaft gekommen. Ich habe dann zusammen mit Karl Josef Würth angefangen, eine Satzung zu schreiben. Wir waren auch im Wohnprojekt Amaryllis in Bonn, wo wir uns Information geholt haben, in Köln Ehrenfeld in einem Projekt sowie bei dem Projekt „Gut-in-Widdersdorf“. Wenn man ein bisschen im Internet recherchiert, findet man die Satzung von dem einen und die Satzung von dem anderen Projekt, und dann haben wir uns das Genossenschaftsgesetz daneben gelegt… das ist ja doch sehr umfangreich, wie wir festgestellt haben.

Was bist du von Beruf… ist es dir leicht gefallen, das zu verstehen?
Jein. Ich bin Diplom Betriebswirtin, Diplom Verwaltungswirtin. Von daher ist das mit Gesetzestexten okay, aber das nachher umzusetzen, das war dann doch etwas schwierig. Das haben erst Karl Josef und ich….

…was ist er von Beruf?
Er ist auch Betriebswirt und in der Immobilienwirtschaft tätig.

Ich frage deshalb nach, weil eine der Erkenntnisse, die ich durch die Interviews gewonnen habe, die ist, dass Gelingen oder Scheitern von Wohnprojektgruppen sehr davon abhängen, welche Kompetenzen in der Gruppe vorhanden sind. Da gibt es zum Beispiel Gruppen, die ein Wohnprojekt machen wollen und deren Mitglieder ausschließlich aus sozial-psychologisch-pädagogischen Berufen kommen. Denen fehlen meistens die technisch-wirtschaftlich- juristischen Kompetenzen, die ihr hier habt. Die müssten dann so früh wie möglich diese fehlenden Kompetenzen einkaufen, und wenn sie das nicht tun, dann geht es bei diesen Gruppen oft nicht weiter. Deshalb habe ich nach euren Berufen gefragt.
Wir haben uns auch externe Beratung eingekauft, als wir letztes Jahr mit 17 Mitgliedern die Genossenschaft gegründet haben. Da war jeder von uns bereit, einen gewissen Geldbetrag in die Hand zu nehmen.
Die Genossenschaft hat derzeit noch den Status „in Gründung“; erst wenn alle erforderlichen Unterlagen eingereicht sind, wie zum Beispiel die Satzung, der Finanzplan, ein Unternehmenskonzept und, und, und, kann die Genossenschaft eingetragen werden.
Die Erstellung des Gründungsgutachtens erfolgt beim Prüfungsverband PkmG Berlin, dem Prüfungsverband der kleinen und mittelständischen Genossenschaften e.V.. Der Prüfungsverband prüft später, nach Eintragung der Genossenschaft, unter anderem unseren Jahresabschluss. Der Jahresbeitrag dafür liegt bei rund 220 Euro, Minimum. Etwaige Prüfungen werden separat nach Aufwand berechnet.
Des Weiteren haben wir uns beim ZdK in Hamburg angemeldet. Das ist der Zentralverband deutscher Konsumgenossenschaften e.V.. Unter anderem bietet der ZdK Seminare im Bereich Genossenschaftsrecht an. Die Mitgliedschaft dort ist beitragsfrei.
Wir haben Wolfgang Kiehle aus Dortmund als Berater. Er war auf dem Wohnprojektetag 2016 in Köln und hatte dort einen Vortrag gehalten. Amaryllis hatte auch mit ihm zusammen gearbeitet, und nachdem wir recherchiert hatten und uns gegenseitig beschnuppert haben, haben wir uns für ihn entschieden. Wolfgang Kiehle hat schon mehrere genossenschaftliche Wohnprojekte erfolgreich auf den Weg gebracht. Er hat dann mit uns einen Satzungs-Workshop und später einen Finanz-Workshop durchgeführt.

Mit der ganzen Gruppe?
Ja, mit der ganzen Gruppe. Da sind wir wirklich die Satzung Punkt für Punkt, Satz für Satz, durchgegangen. Er hat dann immer schon gesagt: Das ist ein Vorteil, oder das ist ein Nachteil, bedenkt hier nochmal, und bedenkt da nochmal, und dann wurde darüber diskutiert. Und so haben wir einen Satzungsvorschlag erarbeitet, der an unsere Vorstellungen angepasst ist. Wir haben gemerkt, man kann einen Satzungstext nicht eins zu eins von einem anderen Projekt übernehmen. Der Prüfungsverband hat sich dann diesen Vorschlag kritisch angeschaut – so ist unsere Gründungssatzung entstanden.

 


Und alles im Ehrenamt.


Das Interview in voller Länge finden Sie im Buch :
Ab ins Wohnprojekt! Wohnträume werden Wirklichkeit
   
 
   

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