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Interview mit Ulrike Bez, Filmemacherin.

Zu unserem Gespräch trafen wir uns am 25. Januar 2017 in wagnis4 in München.

 

 
 
Ulrike Bez

"Wer wagt beginnt" ist der Titel des Dokumentarfilms, den du über das Wohnprojekt wagnis4 gemacht hast, in dem du jetzt wohnst. Wie kam es dazu?
Ich bin 2009 in die wagnis Genossenschaft eingetreten, nachdem ich eine Informationsveranstaltung besucht hatte. Damals habe ich eine alternative Wohnform zu meiner Eigentumswohnung gesucht, da ich im Hinblick auf das Älterwerden nicht mehr isoliert wohnen wollte. Kurz darauf ist die Projektidee zu diesem Haus hier in Schwabing entstanden. Das hat mir absolut entsprochen, dass ich in meinem angestammten Viertel bleiben konnte. Ich habe mich dann dieser Baugruppe angeschlossen, und mit dem Wissen, dass ich ein solches Projekt nur ein Mal im Leben mache, hat es mich als Filmemacherin unheimlich gereizt, diesen Prozess zu begleiten. Auch für die Baugruppe, die filmisch begleitet wird, fand ich es ein vertrauensförderndes Angebot, sich auf eine Filmemacherin einzulassen, die später selber einzieht. Da ist das Vertrauensverhältnis ein ganz anderes. Und ich ahnte natürlich, dass ich einen besonders tiefen Einblick in die Gruppenprozesse haben würde, die ich dann im Film wiederum vermitteln könnte.

Und so habe ich der Projektleiterin Elisabeth Hollerbach von der wagnis eG meine Idee vorgestellt, und als sie dann ihr OK gegeben hat, habe ich 2010 dem Plenum mein Filmkonzept vorgestellt. Darüber wurde dann abgestimmt, und bereits im Herbst 2010, bei unserem ersten Workshop, waren wir mit der Kamera dabei. Das war zu einem Zeitpunkt, als wir das Grundstück noch gar nicht gekauft hatten. Mein Team und ich haben also die Gruppe von Anfang an mit der Kamera begleitet, über die ganzen 4 Jahre natürlich in größeren zeitlichen Abständen. Dadurch, dass ich nah an der Gruppe dran war, konnte ich relativ kurzfristig reagieren, wenn etwas anstand.

Wart ihr damals als Gruppe schon komplett?
Nein überhaupt nicht. Es gab eine Kerngruppe, die im Film zu sehen ist, bei der allerersten Szene mit den Luftballons, wie sie das Grundstück begeht. Diese Kerngruppe ist im Wesentlichen erhalten geblieben. Aber es haben sich dann doch unvorhergesehen und kurzfristig Änderungen innerhalb der Gesamtgruppe ergeben.

Es war so: Anfang 2011 waren wir als Baugruppe eigentlich komplett und auch die Wohnungsbelegung war abgeschlossen. D.h. die Architekten hatten die Wohnungsgrößen nach unseren Anforderungen geplant. Zu diesem Zeitpunkt kam von der wagnis eG die Aufforderung an uns, dass wir jetzt eine verbindliche Absichtserklärung abgeben müssen, die besagt, dass wir definitiv beim Projekt dabeibleiben. Wer nach Unterzeichnung dieser verbindlichen Erklärung wieder aussteigen wollte, sollte dann eine Ausstiegsgebühr zahlen. Von Seiten der Genossenschaft war das verständlich, denn man kann nicht mit einer Gruppe konzipieren, planen und Gruppenbildungsprozesse vorantreiben, die auf Nachhaltigkeit ausgerichtet sind, solange man befürchten muss, dass die Leute wieder abspringen.

In welchem Moment war das? Hattet ihr da das Grundstück schon gekauft? Und waren da die Architekten schon an Bord?
Die Architekten waren schon an Bord, als wir das Grundstück noch nicht gekauft hatten. Die Stadt München hatte der wagnis eG ein Grundstück in diesem großen Neubauquartier am Ackermannbogen in Aussicht gestellt. Aber ob wir nun genau dieses Grundstück oder ein anderes bekommen würden, das war noch nicht klar. Der erste Workshop, bei dem die Architekten uns die Erschließung des Grundstücks mit Hilfe von Schuhschachteln nahebrachten, war Ende 2010. Da waren zwar die Architekten schon da, aber noch nicht das definitive Grundstück.

Kurze Zeit später hat die wagnis eG dann den Zuschlag bekommen, und dann kam die verbindliche Absichtserklärung. Das hat gruppendynamisch enorm viel verändert. Es sind die Leute ausgeschieden, die sich nicht entscheiden konnten und es sich gerne noch länger offen gehalten hätten. Das war schwierig auf der einen Seite, auf der anderen Seite war es gut. Es hat eine Dynamik von Aus- und Einstieg in Gang gesetzt, sodass kurze Zeit später die Gruppe definitiv und komplett war. Das war die Gruppe, die dann hier auch eingezogen ist.

Wie war das für dich persönlich? War es für dich oder für andere in der Gruppe emotional schwierig, dass dann welche weggingen?
Auf jeden Fall. Weil man sich doch auf die Leute eingelassen und eine Perspektive entwickelt hatte. Es sind auch zarte Freundschaften entstanden, oder man wusste zumindest aus Gesprächen, dass man Übereinstimmungen hatte. Das ist dann schon schwierig, wenn jemand aus so einer Gruppe weggeht, unabhängig davon wie leicht oder schwer man sich tut. Ich bin eher so eine treue Seele, die gleich an eine langfristig Verbindlichkeit denkt.


Ein Nachbar hat die Homepage gemacht, ein anderer die Fotos. Ein großer Glücksfall war Martin Prötzel, der Musiker. Er hat die Filmmusik komponiert.

 

Das Interview in voller Länge finden Sie im Buch :
Ab ins Wohnprojekt! Wohnträume werden Wirklichkeit
   
 
   

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