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Interview mit Elisabeth Hollerbach, Gründerin der Wohnbaugenossenschaft wagnis eG in München und langjähriger geschäftsführender Vorstand.

Zum Interview haben wir uns am 25. Januar 2017 morgens um 11 Uhr in wagnis4 getroffen.

 

 
 
Elisabeth Hollerbach

Du sagst, ihr seid keine Dachgenossenschaft. Wieso nicht, wo ihr doch schon mehrere Häuser gebaut habt?
Da müssten wir erstmal klären, was eine Dachgenossenschaft ist. Für jede Genossenschaft, die sich neu gründet, ist es wichtig zu überlegen, was der Rahmen ist, den wir uns geben wollen?

Hamburg hat mit Dachgenossenschaften angefangen mit und über Stattbau, das ist eine öffentlich geförderte Beratungsgesellschaft. Man wollte kleinen Initiativen die Möglichkeit geben, in einem großen Dachverband bauen zu können oder ihre Ideen zu verwirklichen, ohne jedesmal eine neue Genossenschaft gründen zu müssen. Das sind ganz unterschiedliche Initiativen, die unter diesem Dach leben.

Wir sind als wagnis aber immer unter einer Fahne unterwegs: Wohnen und Arbeiten in Gemeinschaft, nachbarschaftlich, innovativ und selbstbestimmt. Das heißt, dass die sozialpolitischen Aspekte Inhalt jedes einzelnen Projektes sind, das wir realisieren. Unser Alleinstellungsmerkmal ist m.E., dass sich jedes einzelne Projekt, jede Wohnanlage, darüber hinaus einen eigenen Schwerpunkt gibt. Wer bei uns mitmacht, sucht verbindliche Nachbarschaft und will miteinander leben und nicht nur ein Haus bewohnen.

In den Begriffen, die du eben für wagnis genannt hast, kommt das Wort Mehrgenerationen ja nicht vor. Ergibt sich die Mischung der Leute automatisch?
Wir haben unsere "Werte und Ziele", die jeder Genosse und jede Genossin, unterschreiben, wenn sie Mitglied werden. Darin sind dann auch das Mehrgenerationen-Wohnen und der ökologische Aspekt enthalten. Der ökologische Aspekt kommt in dem Begriff wagnis zwar nicht vor, ist aber laut Satzung natürlich auch ein wesentliches Ziel unserer Genossenschaft.

Wir haben etwa acht Jahre an der Vorbereitung gearbeitet und lange nach Begriffen gesucht, die auch Menschen anziehen, die jetzt nicht die große Ideologie im Kopf haben, sondern auch nach Geborgenheit und nach Gestaltungsmöglichkeiten suchen. Beides fehlt ja vielen in unserer Gesellschaft.

Ich würde jetzt gerne ganz an den Anfang eurer Initiative gehen und dich fragen: kannst du dich an die Initialzündung erinnern, warst du dabei?
wagnis ist aus vier Initiativen entstanden. Und eine davon war auch meine Initiative.

Wann war das?
Das weiß ich jetzt garnicht mehr. War das 91 oder 92 oder 94 ? Das geht schon weit in die Vergangenheit zurück. Aber meine Initialzündung liegt noch weiter zurück. Die war Anfang der 80er Jahre. Da wollte ich mit meinem Mann und anderen ein Dorf gründen, in der Nähe von Fürth. Wir waren schon soweit, ein Grundstück zu erwerben. Das war die Landbewegung, die uns damals gelockt hat. Das Autarke, das Unabhängige. Es sind dann aber viele aus unserer Gruppe abgesprungen, weil sie Angst davor hatten, ihren Beruf nicht weiter ausüben zu können, denn die meisten waren Akademiker und konnten sich nicht vorstellen, dann doch nur noch Land zu bestellen oder Bäcker zu werden oder sich in der Umgebung eine Arbeit zu suchen.

Und was passierte dann Anfang der 90er Jahre, als sich diese 4 Initiativen trafen?
Wir haben hier in München den Verein Urbanes Wohnen, der sich schon seit über 40 Jahren um die Verbesserung des Wohnens in der Stadt kümmert. Dieser Verein hat sich zunächst gegründet, um hier in München eine Bürgervilla zu schützen. Er ist nach wie vor ein sehr kleiner Verein, der uns aber eine Plattform und einen rechtlichen Rahmen gab. Wir sind damals alle Mitglied geworden. Urbanem Wohnen geht es immer und immer wieder um Themen wie Hinterhofbegrünung oder grüne Wege in der Stadt u.v.m.. Das ist vor allem ein besonderes Anliegen von einem der Urväter des Vereins.

Wir haben damals, Anfang der 90er Jahre, mit regelmäßigen Treffen der Initiativen begonnen und das Netzwerk Wohnprojekte von ungefähr 20 Initiativen aus München und dem Umland aufgebaut. Gemeinsam-älter-werden, Frauen-Wohnen, und zwei weitere Initiativen haben sich dann zu den Schwabinger Wohnprojekten zusammengetan.

Ganz viele der anderen Initiativen kamen dann mit der Zeit nicht mehr zu den regelmäßigen Treffen. Der Austausch war gut und wichtig, weil viele Ideen in allen Initiativen vorhanden waren, aber die Menschen ganz unterschiedliche Vorstellungen von Finanzierung und Rechtsform hatten.

Mit den Schwabinger Wohnprojekten konnten wir Kräfte bündeln, und damit haben wir auch etwas mehr Gehör gefunden. Doch das Klinkenputzen und Werben für die Idee war auch sehr Kräfte zehrend. Deshalb war es unser Anliegen, mein Anliegen von Anfang an, dass es z.B. eine Anlaufstelle in der Stadt gibt, die Wege weisen kann. Die sagen kann, geht doch mal dahin, geht doch mal dorthin, oder die zumindest koordiniert. Ich halte es für ganz wichtig, solche Beratungsstellen einzurichten, damit die Endloswege, die am Anfang einer Bewegung jede Initiative gehen musste, vermieden werden. In NRW und anderswo gibt es inzwischen Beratungs- und Koordinierungsstellen, auch in München.

1995 veranstalteten wir den ersten Wohnprojektetag. Es kamen sehr viele Besucher. Das war unglaublich. Über 1000. Das hat uns dann dazu gebracht zu sagen, wenn so viel Interesse da ist, dann müssen wir es konsequent weiter betreiben.


Es geht auch um die Frage, wie wir in Zukunft bauen und wohnen wollen. Die Menschen haben Sehnsüchte.

 

Das Interview in voller Länge finden Sie im Buch :
Ab ins Wohnprojekt! Wohnträume werden Wirklichkeit
   
   
 
   

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