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Trudy Braun, Wohnprojekt Brühl 55plus

Zum Interview trafen wir uns am 28. Mai 2018 in Brühl.

 

 
 
Trudy Braun

Gestern habt ihr hier in Brühl einen Stand auf dem Markt gehabt.
Ja das stimmt. Die Wohngruppe des Wohnprojekts Brühl 55plus hat zur Zeit eine Steuerungsgruppe, und die hatte sich zum Ziel gesetzt, den 2. Brühler Senioreninformationstag zu nutzen, um an einem Stand auf dem Markt auf das Projekt aufmerksam zu machen.

Was war euer Anliegen?
Im Moment sind neun Wohnungen reserviert, wir werden aber letztendlich 16/17 Wohnungen haben. Das heißt, wir brauchen noch Mitbewohner. Weil wir noch keine endgültigen Daten haben, was Wohnungsgröße beziehungsweise Quadratmeterpreis betrifft, sammeln wir die Mailadressen von Interessenten, denen wir dann die Daten zusenden und die noch freien Wohnungen anbieten können.

Das Wohnprojekt Brühl 55plus ist ein EigentümerProjekt.
Richtig. Ja.

Wie ist denn im Moment der Stand der Dinge?
Wir haben einen Bauträger, der in einem Neubaugebiet in Brühl ein Grundstück für ein Wohnhaus mit 1.200 Quadratmetern Wohnfläche für unsere Wohnprojektgruppe zur Verfügung stellt. Dieses Grundstück und das Gebäude, was dort errichtet wird, ist für uns reserviert.

Wer ist der Bauträger?
Das ist die Firma Lichius GmbH aus Neuß. Das Baugebiet zwischen Südfriedhof und Schulzentrum ist so groß, dass die Firma dort 100 Einfamilienhäuser und 300 Wohnungen baut. Die Städtische Wohnungsbaugesellschaft baut in diesem Bereich auch drei Wohngebäude.

Lass uns mal an den Anfang zurückgehen. Wie ist es zu eurem Projekt gekommen, beziehungsweise wie bist du zu dem Projekt gekommen?
Ich bin zu dem Thema "Wie will ich im Alter wohnen?" unterwegs gewesen und habe 2015 hier in Brühl eine Gruppe getroffen, die sich 33Rosen nannte...

... jetzt unterbreche ich dich mal, ich war ja damals auch in dieser Gruppe. Wir waren nur Frauen, so um die sieben oder acht, und ich kann mich erinnern, als du dazugekommen bist. Ich bin dann kurze Zeit später aus der Gruppe rausgegangen.
Ja. Ich bin dann in dieser Gruppe gewesen, und wir haben uns verschiedene Grundstücke angeguckt. Wir hatten auch ein Haus, eine alte Villa, die sehr interessant schien. Wir haben darüber beraten, was könnte man wie machen, und wir haben uns die Villa mit einem Architekten und einem Vertreter der Stadt angeguckt ...

... weil die Villa der Stadt gehört, oder?
Ja, sie gehört der Stadt und wird in Erbpacht vergeben. Dann haben wir erfahren, welche baulichen Voraussetzungen gegeben sind und was wir an Brandschutzmaßnahmen und Aufzug hätten einbringen müssen. Ich bin dann im Planungsamt der Stadt Brühl gewesen und habe dort erfahren, dass man nichts anbauen sondern nur umbauen kann. Und das wäre ein Kostenfaktor gewesen, der sich nicht rechnet, da in dem Haus nur vier bis sechs Parteien hätten wohnen können. Und bei diesem Besuch auf dem Planungsamt habe ich Herrn Kaiser kennen gelernt, den Chef des Planungsamtes in Brühl. Er erzählte mir, dass zwischen Südfriedhof und Schule ein großes Baugebiet entsteht und zeigte mir sein Interesse für das Thema altersgerechtes Wohnen. Wir haben uns länger unterhalten, und ich habe ihn dann spontan gefragt: "Haben Sie keine Lust, uns zu unterstützen?"
Und da erzählte er, dass er sich schon länger mit dem Thema befasst hätte, aber erst abklären müsste, ob das von seinem Chef abgesegnet wird, wenn er sich privat in diesem Thema mit bewegt. Das wurde akzeptiert, und so kamen wir zusammen. Er hat dann den Kontakt zum Bauträger Lichius geschaffen.

Also nicht als Vertreter der Stadt, sondern als Privatperson.
Ja.

Kriegt ihr irgendeine Art Unterstützung für euer Projekt seitens der Stadt?
Bisher nicht.

 


Ich will kein Mehrgenerationenhaus. Das ist für mich nicht interessant.

 

Wie ging das dann mit Herrn Kaiser weiter?
Er hat viele Fachkenntnisse, und das ganz Wichtige ist die Verbindung zum Bauträger. Er hat uns das Grundstück gebracht. Er hat mit dem Bauträger gesprochen und gesagt: da ist eine Gruppe, die möchte ein Wohnprojekt realisieren, wie sieht das aus, würden Sie das unterstützen? Und da hat die Firma Lichius gesagt: okay, wir haben da ein Grundstück, das können wir für diesen Zweck zur Verfügung stellen. So sind wir zu dem Grundstück gekommen. Und zwar mit der Möglichkeit, auch die Planung zu beeinflussen. Wir können auch die Wohnungsgrößen mitbestimmen.

Wann war der erste Kontakt zwischen euch und Lichius?
Das war im März 2017.

Wie war das denn für die Gruppe, fanden das alle gut, auf diesem Grundstück ein Haus zu bauen?
Für mich war es sehr überraschend festzustellen, dass bei den Frauen der Gruppe 33Rosen die Begeisterung für das Grundstück ausblieb.

Von allen?
Ja, von allen. Ich habe gesagt: das ist ein super Grundstück, die Lage ist super, die Konditionen sind super, die öffentlichen Verkehrsmittel sind ohne lange Wege zu erreichen, also ich fand es genial vom Platz her und auch von der Größe. In jedem Fall standen wir jetzt da, und es war offensichtlich, dass die Gruppe kein Engagement bringen würde. Und da haben Herr Kaiser und ich uns unterhalten und uns gefragt: ist das realisierbar oder nicht? Und wir waren beide der Meinung, es ist realisierbar. Und dann haben wir uns angeguckt und gesagt: dann machen wir es. Wir haben uns gefragt: was brauchen wir, um Interessenten zu gewinnen für dieses Wohnprojekt, um zu gucken, wie kriegen wir so ein Wohnprojekt voll? Was müssen wir tun?

Herr Kaiser will aber nicht in dem Projekt wohnen, du hingegen schon.
Ja, das ist richtig. Herr Kaiser war als Stadtplaner davon überzeugt, dass ein solches Projekt in Brühl funktionieren kann. Durch seine Arbeit hatte er bereits früher gelegentlich Kontakt zu Interessenten und Initiativen von Wohnprojekten und war der Überzeugung, dass eine solche Gruppe fachliche Unterstützung haben sollte. Aber er ist noch jung und hat selbst kein Interesse einzuziehen.

Klar war also, dass es ein Projekt sein wird, das aufs Alter ausgerichtet ist.
Dass es ein Altersprojekt sein wird, war klar. Für mich war auch klar: ich will kein Mehrgenerationenhaus. Das ist für mich nicht interessant. Dass es ein Bauträgerprojekt wurde, liegt an der Tatsache, dass der Bauträger schlüsselfertig baut und die Wohnungen verkauft. Und ob da Mieter einziehen, hat etwas damit zu tun, ob wir Investoren in das Projekt einbeziehen oder nicht.

 


Interessanterweise sind die Leute unter 65 der Sache gegenüber viel aufgeschlossener als die Älteren.

 

Es hätte ja noch die Variante gegeben, eine Genossenschaft zu gründen und als Genossenschaft das Haus zu kaufen.
Genossenschaft hat mich auch lange fasziniert. Aber ich bin der Meinung, im Brühler Umfeld ist Genossenschaft nicht attraktiv. Was sich jetzt zeigt ist, dass die Interessenten, die jetzt schon als Steuerungsgruppe dabei sind oder die sich für unser Projekt interessieren, zu 99 Prozent Leute sind, die ein Eigenheim verlassen, um in eine Wohnung zu ziehen. Das heißt, da ist auch Kapital vorhanden, um eine Eigentumswohnung zu übernehmen.

Für den ländlichen Raum scheint das typisch zu sein. Man sieht es auch an den Projekten, die von Familie Binder in Erftstadt initiiert wurden. Dazu wollte ich dich sowieso noch etwas fragen: Welche Rolle spielt der Kontakt mit Herrn und Frau Binder für dich und für euch?
Das Projekt "Alternatives Wohnen in Erftstadt" ist für uns ganz wichtig. Noch mit den 33Rosen haben wir das Projekt in Lechenich besucht. Und als wir mit der Wohngruppe Brühl 55plus angefangen haben, sind wir gleich zu Anfang dorthin gegangen und haben auch Herrn Binder, seine Frau und eine Bewohnerin zu einer Informationsveranstaltung nach Brühl eingeladen. Herr Kaiser und ich haben in der Anfangsphase 2017 zu mehreren Informationsveranstaltungen eingeladen, und da waren Binders mit die ersten, die vor Ort waren und von ihren Erfahrungen berichtet haben.

Wie sind deine Erfahrungen, was das allgemeine Interesse an eurem Projekt angeht? Wie war das bei den Informationsveranstaltungen oder auch gestern am Stand auf dem Markt: ist das Interesse vorhanden?
Ja, das Interesse ist vorhanden. Interessanterweise sind die Leute unter 65 der Sache gegenüber viel aufgeschlossener als die Älteren. Wir haben Leute dabei von 71 und auch Leute von 51, also wir machen die 55 nicht fest. Je älter die Leute sind, umso schwerer fällt es ihnen, sich von ihrer gewohnten Umgebung, ihrem Haus und ihrem ganzen Drum und Dran zu trennen.

Ich würde gern nochmal zurückkommen auf deine Aussage, dass dich ein MehrgenerationenProjekt nicht interessiert. Wieso nicht?
Ich bin selbst in einem Bauernhaus mit drei Generationen herangewachsen und habe auch die Problematik im Miteinander der Generationen erlebt. Außerdem habe ich bei Besuchen in Mehrgenerationenprojekten nicht den Wunsch verspürt, dort einzuziehen. Ich habe gerne mit Kindern zu tun, aber ich brauche auch meine Ruhe. Das Zusammenleben der Generationen lässt sich bei unserem Projekt in Verbindung mit der Nachbarschaft und der Schule gut in einem lebendigen Quartier verwirklichen.

 


Das Thema Finanzen spielt eine Rolle.

 

Du hast ja viele Seminare und Workshops besucht, und mich würde interessieren, um welche Themen es da ging.
Es hat alles 2014 mit meiner Ausbildung zur SeniorTrainerin in Köln in der Melanchthon Akademie angefangen. Das ist ein Bildungsprogramm für Leute mit Erfahrungswissen, also für Ältere. Ich habe dort erfahren, wie man Projekte gestalten kann und welche Möglichkeiten es überhaupt gibt und wie man Themen, die einem am Herzen liegen, angehen kann. Dann kam der Kontakt zur Gruppe 33Rosen, und zwangsläufig im Internet recherchierend kam ich auch auf Institutionen, die Information über Wohnprojekte anbieten.
Im Landesbüro für innovative Wohnformen NRW wurde zum Beispiel Information angeboten für Organisation und Entscheidungsfindung in Wohnprojekten. Übrigens wird dieses Landesbüro durch die neue Regierung in NRW nicht mehr gefördert, was ich sehr schade finde.
Die Seminare, die ich besucht habe, fanden in der Regel in den Gemeinschaftsräumen der Häuser von Wohngruppen statt, und man hat Kontakt mit den Bewohnern bekommen und konnte sich austauschen. Einmal mit den Leuten, die vor Ort wohnen und auch mit denen, die das Seminar besuchen und ähnliche Erfahrungen und Probleme haben wie wir auch. Man kommt ins Gespräch und lernt immer wieder andere Sachen kennen, wie zum Beispiel die unterschiedlichen Rechtsformen der Projekte, ob es eine Genossenschaft ist oder ein Investoren- oder ein Bauträgermodell. Darüber kann man zwar auch viel lesen, aber in einem Seminar wird aus der Praxis berichtet.

Was ist der Unterschied zwischen einem Investorenmodell und einem Bauträgermodell?
Der Bauträger baut das Gebäude schlüsselfertig und verkauft es, sein Geschäft ist, ein Gebäude herzustellen und zu verkaufen. Der Investor baut ein Gebäude und vermietet die Wohnungen, sein Geschäft ist die Vermietung der Wohnungen.

Ich würde gern wieder auf die Seminare zurückkommen, die du besucht hast.
Bei einem Seminar vom Kuratorium Deutsche Altershilfe habe ich mal in einem Workshop über drei, vier Tage gelernt, wie man eine Internetseite erstellt und wie man Vernetzungen aufbaut, aber das ist nicht unbedingt mein Ding.
Genossenschaft hat mich als Thema lange interessiert, auch die Dachgenossenschaften, die gegründet werden, das habe ich mir in einem Seminar mal angehört. Das Thema Finanzen spielt eine Rolle. Ich habe Seminare besucht, in denen es um die Finanzierung von Wohnprojekten ging, um Trägermodelle und Investorenmodelle, die gegenübergestellt wurden.
Dann wurde das Thema Quartiersbildung immer deutlicher. Das fand ich faszinierend, weil es mich an alte Nachbarschaften von früher erinnerte. Es gab einen Vortrag in Hürth, an den ich mich sehr genau erinnere. Da wurde über ein Pilotprojekt in Bielefeld berichtet, wo man Quartiersbildung in Wohnblocks einer Wohnungsgesellschaft durchgeführt und auch schon Ergebnisse über einige Jahre gesammelt hatte und vergleichen konnte, welche Vorteile sich daraus ergeben. Im Bestand Quartiersbildung zu machen oder in einem Neubaugebiet ist natürlich etwas ganz anderes.
In dem Zusammenhang war ich auch auf einem Tagesseminar in Euskirchen, das von ZWAR organisiert wurde. ZWAR, zwischen Arbeit und Ruhestand. Das Thema war: Bürger braucht Kommune, Kommune braucht Bürger. Da habe ich erfahren, dass ein Projektleiter für zwei Jahre zur Verfügung gestellt wird, wenn sich ein Verwaltungsbeamter der Kommune mit einem Ehrenamtler zusammenschließen. Das habe ich leider in Brühl nicht geschafft. Das war nicht zu realisieren.

Hast du es versucht?
Ja. Ich habe mit einem Stadtverordneten gesprochen, und als ich das vorgeschlagen habe, hat er gesagt: "Das sind alles Fördermittel, die sind nach zwei Jahren zu Ende, und dann muss die Stadt Brühl das bezahlen, und die hat kein Geld, das können wir nicht bezahlen." Und damit war das Thema vom Tisch. Ich sehe das etwas anders, weil man damit in Zukunft Geld sparen könnte, aber ich habe gemerkt, das ist ein sehr dickes Brett, was ich da sägen will und habe davon abgelassen.

 


Ich habe auch für mich das Gefühl, ich muss etwas vorausdenken.

 

Diese Workshops haben doch auch oft Geld gekostet, oder?
Die waren in den ersten Jahren fast immer kostenlos, aber seit einem Jahr sind die kostenpflichtig. Ich bin in der Lage, die Kosten zu bezahlen, und ich bin auch bereit dazu, denn was ich da lerne, die Information, die ich dort bekomme, sind es mir wert.

Gibst du die Information auch weiter an deine Gruppe?
Ja, ich berichte immer über das, was ich gemacht habe. Ich informiere die anderen auch über die Seminare, die ich besuchen will. Ich sage der Gruppe Bescheid, am soundsovielten findet um soundsoviel Uhr an dem und dem Ort ein Vortrag oder ein Seminar statt; und wer mitfahren will, kommt mit, und wenn nicht, dann fahre ich allein. Und wenn ich zurückkomme, berichte ich darüber. Ich habe auch für mich das Gefühl, ich muss etwas vorausdenken. Weil bestimmte Dinge, die auf die Gruppe und auf das Zusammenplanen und das spätere Zusammenwohnen und Zusammenleben zukommen, die müssen auch heute schon etwas vorbereitet werden, weil es da viel gibt, was ich auch lernen muss.

Du gehst ja auch zu den Workshops der Wohnschule...
... ja, das "Wohnzimmer" ist ein regelmäßiges Treffen, was in der Wohnschule angeboten wird. Und ich gehe auch zu anderen Angeboten von Wohnprojekten oder zu Wohnprojektetagen. Da erhalte ich Informationen, die immer zum richtigen Zeitpunkt kommen.

Wie gehst du mit so viel Information um? Schreibst du mit, oder hast du einen Ordner, wo du alles sammelst, wie machst du das?
Ich habe eine Kladde, und darin stehen erstmal die Termine und dann die Notizen, die ich gemacht habe. Und später kann ich mich erinnern, dass ich irgendwann mal über etwas geschrieben habe und weiß auch noch in welchem Zusammenhang, und dann schaue ich in der Kladde nach und finde die Information. Das kann eine Emailadresse sein, das kann ein Gesetz sein, das kann ein Name sein. Das ist das, was ich brauche und wo ich chronologisch nachgucken kann: wo bin ich, wo war ich, wo muss ich hin.

Ich verstehe dich so, dass du richtig Lust auf Lernen hast.
Ja, das kann ich nur bejahen. Ich finde es fantastisch, was ich in meinem Alter noch alles lernen kann. Und wie schön die Welt ist, wenn man mit offenen Augen umhergeht.

Was möchtest du noch erwähnen? Gibt es etwas, was dir besonders wichtig ist von dem, was du in den letzten Jahren gelernt hast?
Ich war mal im Beginenhof in Köln zu einem Seminar über Systemisches Konsensieren, das dort von Referenten angeboten wurde, die aus Berlin kamen. In dem Seminar wurden wir als Teilnehmer mehrmals vor die Aufgabe gestellt, als Gruppe eine Entscheidung zu treffen. Die Meinungen waren jeweils sehr verschieden, und trotz großer Unterschiedlichkeit wurde nie gestritten. Es wurde immer achtsam miteinander umgegangen, und die ganze Atmosphäre in der Diskussion hatte nichts damit zu tun, wie man das kennt, wenn es darum geht: ich bin dafür, ich bin dagegen. Mich hat das so fasziniert und ich bin davon so begeistert, dass ich mich dem verschrieben habe. Ich habe das auch der Gruppe erklärt und beigebracht. Wir sind der Meinung, dass wir unsere Entscheidungen mit dem Systemischen Konsensieren treffen und nicht mit pro und contra und in Abstimmungen, in denen die Mehrheit gewinnt und die Minderheit verliert.

 


Jeder Einzelne hat einen persönlichen Finanzcheck mit Herrn Lückmann gemacht.

 

Wenn ich dir zuhöre, habe ich den Eindruck, dass es dir bei deinem Engagement nicht ausschließlich um deine persönliche und private Wohnsituation geht. Du denkst ja viel weiter.
Ja das ist richtig. Ich habe eine wunderschöne Wohnung, die ich heiß und innig liebe und die unweit des Grundstücks liegt, wo ich später wohnen werde. Diese Wohnung hat nur den Nachteil, sie hat keinen Aufzug. Wobei ich der Meinung bin, dass ich diese Treppen noch lange laufen kann. Es ist nicht meine Wohnungssituation, die mich dazu bringt, mich zu engagieren. Ich habe erlebt, wie die 80jährigen Eltern einer Freundin eines Tages feststellten, dass sie alt sind und in dem Eigenheim nicht mehr länger allein leben können. Die Suche nach einem passenden Altersheim war mit vielem Wenn und Aber nach einem Jahr erfolgreich. Die Tochter, die die Organisation und die Betreuung der Eltern in dieser Zeit übernommen hatte, war körperlich und gesundheitlich an ihre Grenzen gestoßen. Diese Beobachtung veranlasste mich zu dem Entschluss: dies will ich meinen Kindern nicht zumuten. Und wenn ich erkannt habe, hier ist etwas zu verändern, dann fühle ich mich dem verpflichtet, und infolgedessen bin ich unterwegs.

Wie viele seid ihr derzeit in eurer Gruppe?
Also die Steuerungsgruppe, das sind neun Personen.

Wie viele Wohnungsparteien sind das?
Wir haben acht Wohnungsparteien, und eine Wohnung ist als Gemeinschaftsraum reserviert.

Habt ihr schon ein Konzept?
Ja, wir haben ein Konzept. Es gibt auch eine Gemeinschaftsordnung. Es gibt eine Teilungserklärung, die man zwangsläufig braucht in solchen Eigentümerprojekten, die man aber modellieren kann. Dazu haben wir eine Schulung mit der Projektentwicklerin Lisa Hugger gehabt, die uns über diese Möglichkeiten informiert hat.

Was ist eine Teilungserklärung?
Wer an einem Wohnungskauf interessiert ist, kommt am Wohnungseigentumsgesetz WEG nicht vorbei. Damit wird geregelt, was ausschließlich Eigentum des Wohnungsbesitzers ist und welche Bestandteile des Mehrfamilienhauses allen Eigentümern gemeinsam gehören. Mit der Teilungserklärung werden unter anderem die rechtlichen Voraussetzungen geschaffen für einen eventuellen späteren Verkauf der Wohnung.

Was habt ihr sonst noch an Beratung?
Wir haben einen Finanzberater, das ist Herr Lückmann von der Firma LKM GmbH aus Bochum. Herr Lückmann hat einen Vortrag für Interessierte am Wohnprojekt Brühl 55plus gehalten, und als wir für diesen Vortrag Honorar aufbringen mussten, haben wir uns entschlossen, eine Planungs-GbR zu gründen und ein Konto einzurichten, auf das jedes Mitglied 200 Euro einzahlen muss. Zudem hat jeder Einzelne einen persönlichen Finanzcheck mit Herrn Lückmann gemacht.

Wenn ich es richtig verstehe ist die Planungs-GbR identisch mit der Steuerungsgruppe. Ist das so?
Das ist richtig. Mit unseren Informationsveranstaltungen und Vorträgen hatten Herr Kaiser und ich die Daten von ungefähr 50 Interessenten gesammelt. Wir haben alle per Email und über die Internetseite informiert, und dann haben wir diese Planungs-GbR gegründet, und dabei sind von den 50 Interessenten zehn übrig geblieben. Diese zehn Leute haben dann die Planungs-GbR gegründet und stellen die Steuerungsgruppe dar und erarbeiten die Konzeptbildung und im Moment eine Satzung für einen Verein, den wir gründen wollen. Auch die Planung der Wohnungen, das wird alles von der Steuerungsgruppe gemacht. Im Moment besteht für andere Interessenten keine Möglichkeit, in diese Gruppe einzutreten, weil das immer wieder Zeit beanspruchen würde, fehlende Informationen und Beratungen nachzutragen.

 


Wir wollen Mietsicherheit garantieren.

 

Gehört Herr Kaiser auch zur Planungs- und Steuerungsgruppe?
Ja, Herr Kaiser gehört als ehrenamtlicher Berater dazu. Wir profitieren von seinem Fachwissen und von seiner Position als unbeteiligter Beobachter. Außerdem ist er ein wichtiger Übersetzer bei Fachbegriffen im Bausektor und natürlich auch im kommunalen Planungs- und Genehmigungsverfahren. Für uns ist er eine große Hilfe.

Verstehe ich es richtig: ihr habt die Gruppe zugemacht, weil ihr arbeitsfähig sein wollt, und ihr macht jetzt alle notwendige Arbeit zu zehnt, um das ganze Projekt zu konsolidieren. Geht ihr denn davon aus, dass ihr dann, wenn ihr die Gruppe öffnet, rechtzeitig alle Wohnungen wegbekommen werdet?
Es gibt ja noch unbekannte Faktoren. Wir wissen noch nicht, wie hoch der Quadratmeterpreis sein wird, und wir wissen noch nicht, wie die Wohnungen aussehen werden, das muss alles noch entwickelt werden. Wir haben festgestellt, das viele Menschen genaue Angaben brauchen, um sich zu entscheiden. In dem Moment, wo unser Plan feststeht und die Baubeschreibung steht und der Quadratmeterpreis fest ist, werden wir unseren Verteilerkreis informieren. Wir haben jetzt um die 60 Leute, die interessiert sind. Wir können noch sieben bis neun Wohnungen anbieten. Wenn wir die noch fehlenden Käufer aus unserer Interessentenliste gewinnen können, brauchen wir auch nicht mehr über die Presse zu gehen, um die freien Wohnungen anzubieten.
Wir haben ein bestimmtes Szenario vorbereitet, um die neuen Mitbewohner auszuwählen. Das heißt, es gibt ein Mal den Vereinsbeitritt, es gibt das Konzept, was akzeptiert werden muss, man muss einen Finanzcheck mit Herrn Lückmann machen und es muss gewährleistet sein, dass die Gemeinschaft auch gewollt ist. Dazu werden wir bestimmte Sachen abfragen. Wir werden uns den Interessenten vorstellen, uns kennenlernen, und dann wird die Steuerungsgruppe sich beraten und entscheiden.

Du hast davon gesprochen, dass ihr Investoren sucht, beziehungsweise dass man bei euch auch mieten kann.
Wir haben von Anfang an jemand in der Steuerungsgruppe, die mieten will. Und es gibt auch schon eine Wohnung. Die wird von einem Gruppenmitglied gekauft, aber nicht selbst genutzt, sondern vermietet. Gestern beim Brühler Senioreninformationstag habe ich noch mit Menschen gesprochen, die selbst eine altersgerechte Wohnung haben, aber Geld investieren wollen und bereit wären, eine Wohnung zu kaufen, um diese Wohnung an eine Freundin zu vermieten. Das Thema ist Mietsicherheit, und was wir garantieren wollen ist, dass der Mieter nicht wegen Eigenbedarf aus der Wohnung geklagt werden kann. Und deshalb werden wir mit den Besitzern von vermieteten Wohnungen entsprechende Kooperationsverträge machen, so wie es im Projekt "Alternatives Wohnen Erftstadt" schon gemacht wurde, um sicherzustellen, dass die alten Menschen so lange wie sie mögen und können auch in ihrer Wohnung bleiben können.

Ihr habt sicherlich profitieren können von dem, was Binders in Erftstadt ausgetüftelt haben.
Ja. Nicht nur was das angeht, sondern auch was das Konzept, Verträge und die Satzung betrifft, da sind wir in vielen Punkten über andere Projekte informiert worden. Das ist eben der Lohn, wenn man diese ganzen Seminare besucht, man lernt sich kennen, man geht auf die Webseiten, wo die Satzungen veröffentlicht sind. Man erfährt auch Sachen, die brenzlig sind und Problematiken, die zwangsläufig auftauchen werden, die aber bei einigen Projekten unterschätzt worden sind und zu Mehrarbeit geführt haben, die wir uns ersparen können, indem wir von vorne herein entsprechende Bedingungen schaffen..

Was glaubst du, wann du einziehen kannst?
Im Frühjahr 2020. Ich bin da sehr sicher, weil das Haus im ersten Bauabschnitt liegt. Die Erschließungsarbeiten sind im Moment zugange. Es ist jetzt Mai. Es sollte alles schon viel früher passieren, aber es hat sich verzögert. Wir werden im August einen Plan vom Wohnhaus haben, der als Bauantrag beim Bauamt eingereicht wird. Nach unseren jetzigen Informationen braucht der Bauantrag nur zwei Monate, was sensationell kurzfristig ist, aber hier in Brühl funktioniert. Das wäre dann Oktober. Wir gehen davon aus, dass wir Ende des Jahres, spätestens Anfang 2019, anfangen können zu bauen. Die Bauzeit für das Haus beträgt 14 Monate, so dass wir Anfang 2020 einziehen können.

Zum Schluss noch eine Frage: Hast du Erfahrung mit Bauen?
Ja, mit meinem Mann habe ich 1971 ein Einfamilienhaus gebaut, bei dem wir viel in Eigenleistung erbracht haben. Später, das war 1992, habe ich mit einem Geschäftspartner einen Gewerbebetrieb errichten lassen. Dieser Bau war eine sehr gute Schule, weil so ziemlich alles schief ging, was am Bau schief gehen kann. Damals fasste ich den Entschluss, nie mehr zu bauen, aber man sollte nie „nie“ sagen. Außerdem baut ja der Bauträger, und wir werden mit fachmännischen Beratern zusammen arbeiten.

Freust du dich auf deine neue Wohnung im Wohnprojekt?
Ja, ich freue mich drauf, das muss ich ehrlich sagen.

 

www.wohnprojekt-bruehl.de

 
   

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