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Wilhelm Schwedes, Vorstand des gemeinnützigen Vereins Lebensräume in Balance e.V.

Zum Interview trafen wir uns am 15. März 2017 um 11.30 Uhr in Lindlar.

 

 
 
Wilhelm Schwedes

Du bist Initiator des Mehrgenerationen Wohnprojekts von Lebensräume in Balance in Köln und es gibt etwas, das dir besonders am Herzen liegt.
Mir geht es um das Bewusstsein in der Gesellschaft für solche alternativen Wohnformen. Seit ich damit begonnen habe, ist ein Feuer da, so dass ich für das Projekt brenne. Und eigentlich egal, was außen rum passiert und ob es auch manchmal ziemlich hart wird. Dann muss ich mal zwei Nächte darüber schlafen, und dann ist wieder klar, dass ich weitermache.

Ich würde gern mit dem Anfang beginnen. Gab es für dich so etwas wie eine Initialzündung?
Das kann ich nicht sagen. Die Idee vom Zusammenwohnen ist schon da gewesen, als ich 30 war. Als ich bei der Bundeswehr war, haben wir abends unter Freunden zusammen gesessen und überlegt, ob wir nicht irgendwas zusammen machen. Das ging mehr in berufliche Sachen, was bedeutet hätte, dass man sich irgendwie zusammentut. Aber dann kam Familie und Trennung und nochmal Verheiratung, und es schwelte untendrunter immer wieder der Gedanke, da mal etwas zu machen. Und der ist eigentlich vor 13, 14 Jahren konkret geworden.

An was hat er sich konkretisiert?
Also der hat sich daran konkretisiert, dass ich meinen Vater beim Altwerden begleitet habe. Es ging ihm noch relativ gut bis er 90 war. Die letzten 5 Jahre waren dann nicht mehr so gut. Und ich habe gemerkt, dass er sich keine Gedanken macht, wie er mal leben will. Und wenn ich ihn dann gefragt habe, wie er sich denn sein Leben vorstellt, hat er immer gesagt, ich wolle ihm seine Freiheit nehmen, er wolle in seinem Haus bleiben. Und das hat mir große Sorgen gemacht. Ich war auch entsetzt, wie er auf meine Fragen reagiert hat, die eigentlich mehr Sorge um ihn waren. Da ist mir ganz klar geworden, ich nehme jetzt mein Älterwerden in die Hand und werde mich mit anderen zusammentun, und wir werden da was zusammen machen. Da war ich 55, also vor 15 Jahren. Als ich dann 60 wurde, wurde ich von den Freunden gefragt: was hat sich denn in deinem Leben geändert? Und da habe ich gesagt: überhaupt nichts; aber dass ich ab dem nächsten Monat beginnen werde, Leute zu finden, die mit mir ein gemeinschaftliches Wohnprojekt umsetzen.

Nun sagt sich das ja leicht: ich werde ab jetzt Leute finden. Wie ging das denn?
Also einmal im Freundeskreis. Wir waren anfangs 8 Leute. Und dann habe ich den Henning Scherf einen Monat später in Nümbrecht gesehen, wo er einen Vortrag gehalten hat. Und ich habe gegoogelt und einen ersten Kontakt mit Neues Wohnen im Alter in Köln aufgenommen. Aber erstmal hatten wir nur Träume… die grüne Wiese neben dem Dom am Rhein…

Und wo habt ihr euch getroffen? Privat?
Ja. Wir haben uns ein Mal im Monat zusammen gesetzt. Da wurde auch immer Protokoll geführt und die Ideen aufgeschrieben. Es wurde dann auch schon gesagt, dass sich 2, 3 Leute um Grundstücke kümmern und bei Immobilienunternehmen anfragen. Dann haben wir uns überlegt, wie wollen wir das gestalten, wollen wir ein Verein werden? Und wir haben auch über die Rechtsform nachgedacht und mit Trias und der WohnBund-Beratung NRW Kontakt aufgenommen und uns lange lange darüber unterhalten, ob Verein, oder Genossenschaft, oder welche Rechtsform wir wollen.

Habt ihr da diskutiert, hattet ihr unterschiedliche Meinungen?
Ja, es gab unterschiedliche Meinungen. Ich war für Genossenschaft. Bei diesen Diskussionen über die Rechtsform ist mir aufgefallen, dass ich doch bei vielen Angst verspürt habe, wenn es um Genossenschaft ging: jetzt sind wir auf uns geschmissen, jetzt müssen wir das Geld stemmen, wir müssen dafür aufkommen, wir müssen das organisieren, ja gibt es denn da nicht andere, die diese wichtigen Schritte für uns übernehmen können?
Wir haben uns dann gegen eine Genossenschaft entschieden und dafür, mit einem Investor zu bauen und einen Verein zu gründen.

War eure Gruppe damals stabil?
Also wir sind dann ja nachher auf 3 geschrumpft.

Wo sind die anderen 5 geblieben?
Da war ein Paar dabei, die haben geheiratet und sich ein Haus gekauft. Bei den anderen war es dann auch so, dass Partner wieder ins Leben traten und dann eine andere Orientierung da war. Wir hatten auch eine junge Frau, die eine Familie gründen wollte und fand, dass da bei uns nicht so der Raum dazu war. Und so waren wir dann nach anderthalb Jahren drei. Und dann haben wir annonciert, in unterschiedlichen Zeitschriften, und so haben wir dann neue Menschen bekommen.

Seid ihr drei noch im Projekt?
Ja, wir ziehen alle drei ein.

Könnte man sagen ihr seid die Steuerungsgruppe des Projekts?
Im Moment nicht mehr.

Ihr seid es aber gewesen.
Ja, wir waren es. Diese drei haben das Leitbild festgelegt und die Satzung ausgearbeitet und den Kontakt zu unterschiedlichen Projekten gemacht, um uns zu informieren. Also wir haben die grundlegenden Papiere, in welche Richtung das Projekt gehen soll, geschrieben.

Und daran ist auch nichts mehr durch andere, die dazu gekommen sind, verändert worden?
Grundsätzlich nicht. Es wird zwar immer wieder etwas verändert, aber das Grundsätzliche ist geblieben. Für uns war wichtig, dass wir nicht religiös orientiert sind, dass jeder zu uns kommen kann, dass wir eine Toleranz vor der Individualität eines jeden Einzelnen haben. Jede Hautfarbe, Migranten sind gerne aufgenommen, Homo- oder Heterosexuelle sind bei uns willkommen. Das war für uns von Anfang an ganz klar. Es gab auch die Situation, dass Neue, die sich interessierten, gefragt haben, gibt es auch Türken da bei euch im Stadtteil? Und wenn wir dann nachgefragt haben und es wurde gesagt, dass er Probleme habe mit Ausländern, dann haben wir gesagt, dann passt du nicht zu uns in unser Projekt.


Wir haben im Moment so viel Zuspruch von Jüngeren, seit einem halben Jahr sind viele junge Menschen dabei.

 

 

Das Interview in voller Länge finden Sie im Buch :
Ab ins Wohnprojekt! Wohnträume werden Wirklichkeit
 

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